Gewohnheiten

Die 10 Gewohnheiten: #6 | 50 Ideen für die Allgemeinbildung

Ich habe es geschafft! Vor etwas weniger als drei Jahren habe ich mir zum Ziel gesetzt, alle 21 Bücher der Reihe »50 Schlüsselideen« aus dem Springer-Verlag zu lesen (hier auf Amazon) um meine Allgemeinbildung zu verbessern. Vor etwa einer Woche bin ich fertig geworden.

Was sind die 50 Schlüsselideen?

Der Springer-Verlag (der übrigens nichts mit dem Axel-Springer-Verlag zu tun hat) ist bekannt für Lehrbücher fürs Studium und andere wissenschaftliche Literatur. In der Reihe »50 Schlüsselideen« werden für ein übergeordnetes Thema, z.B. Literatur oder Physik, wichtige Konzepte und Ideen je auf vier Seiten erklärt.

Beim Thema Management heißen die einzelnen Kapitel dann etwa »Benchmarking«, »Tipping Point«, »Diversifikation« oder auch »Supply Chain Management«. Beim Buch zum Thema Biologie gibt es Kapitel zu »Sex«, »Epigenetik«, »Prionen« oder »Die Rote Königin«. Insgesamt gibt es bei 21 Büchern mit je 50 Schlüsselideen 1050 Kapitel á vier Seiten.

Hier eine Liste der 21 Themen zu denen es jeweils ein Buch gibt:

  • Architektur
  • Astronomie
  • Biologie
  • Chemie
  • Digitale Kultur
  • Erde
  • Genetik
  • Hirnforschung
  • Kunst
  • Literatur
  • Management
  • Mathematik
  • Menschheit
  • Philosophie
  • Physik
  • Politik
  • Psychologie
  • Quantenphysik
  • Religion
  • Wirtschaftswissenschaften
  • Zukunft

Wie kam es dazu, dass ich alle 50 Schlüsselideen lesen wollte?

Durch den VPN-Zugang an meiner Uni habe ich Zugriff auf eine zahlreiche Bücher des Springer-Verlags. Mit großem Interesse habe ich mich durch eine Vielzahl an Kategorien und Listen geklickt. Dort habe ich dann die Reihe »50 Schlüsselideen« gefunden. Sofort habe ich mir alle Bücher runtergeladen (dies ist nur möglich, wenn die Uni eine entsprechende Lizenz besitzt, was allerdings bei den meisten Unis der Fall ist).

Ich dachte mir: wenn ich alle diese 21 Bücher zu verschiedenen Themen lese, dann würde das einen großen und positiven Einfluss auf meine Allgemeinbildung haben!

Die große Frage, die ich mir dann gestellt habe, war folgende: wie zum Teufel soll ich all diese Bücher lesen? Ich lese sehr ungerne am Computer und 21 Bücher mit je 50 Kapiteln sind nicht gerade wenig. Und zu diesem Zeitpunkt (Sommer 2015) hatte ich noch keine Gewohnheit des täglichen Lesens, wie es heute der Fall ist.

Wie habe ich es geschafft, alle 21 Bücher zu lesen?

Tatsächlich war das Habit »50 Ideen« neben den Habits Schreiben und Lesen eines meiner ersten Habits, als ich mir im Ende August 2015 ein System für Gewohnheiten überlegt habe, das ich das HabitSystem (THS für “The HabitSystem”) nenne.

Tägliche Gewohnheit à la THS

Mein tägliches Habit »50 Ideen« habe ich damals wie folgt definiert:

Ich lese jeden Tag ein Kapitel (4 Seiten) in einem der 21 Bücher der Reihe und halte dies in einer Tabelle fest

Diese Definition habe ich bis zur Zielerreichung nicht geändert. Meine tägliche Zielerreichung habe ich – wie bei allen Habits – mit meiner Habit-Tabelle und auf dem iPhone mit der App »Momentum« getrackt.

Tracking

Da ich neben dem binären THS-Tracking (Habit erreicht vs. Habit nicht erreicht) aber auch noch detailliert dokumentieren wollte, wie weit ich in den jeweiligen Bücher war, habe ich eine Tabelle für dieses Habit erstellt. Die Tabelle, die ich damals aufgesetzt habe, sieht so aus:

In den Spalten habe ich alle 21 Bücher eingetragen, in den Zeilen die 50 Themen. In die entsprechenden Zellen habe ich dann das Datum geschrieben, an dem ich das jeweilige Kapitel gelesen habe. Irgendwann habe ich dann auch angefangen, die Notizfunktion der jeweiligen Zelle zu verwenden, um das Thema des Kapitels einzutragen.

Ich hätte natürlich auch Buch für Buch die 50 Ideen nacheinander lesen könnte. Aber das wäre unfassbar langweilig gewesen, denn ich kann mir nicht vorstellen, 50 Tage in Folge ein Kapitel zum Thema Chemie zu lesen. Stattdessen habe ich die Themen nach Lust und Laune durchmischt, am einen Tag etwas zu Management, am anderen dann etwas zu Hirnforschung gelesen.

Tatsächlich war es so, dass ich an Tagen, an denen meine Motivation eher niedrig war, ein für mich interessantes Thema, z.B. Psychologie oder Philosophie gelesen habe. An guten Tagen dann, wo ich noch genügend mentale Energie und Motivation besaß, habe ich mich dann an die für mich weniger interessanten Werke wie Literatur und Erde gewagt.

Fortschritt

Meinen monatlichen Fortschritt habe ich folgendermaßen getrackt:

Wie man aus der obigen Darstellung erkennen kann, habe ich für die 1.050 Ideen insgesamt 1.016 Tage benötigt. Man kann leicht erkennen, dass ich in manchen Monaten nicht an jedem Tag ein Kapitel gelesen habe. Meistens war ein Trip ohne Laptop der Grund dafür. An manchen Tagen habe ich allerdings mehr als ein Kapitel gelesen, so dass ich weniger als 1.050 Tage benötigt habe.

In dieser kleinen Tabelle rechts habe ich auch festgehalten, wie viel ich noch zu lesen habe. Außerdem habe ich mir berechnen lassen, wann ich – gegen ich lese mit gleichbleibendem Pace weiter – vermutlich fertig werde.

Am Anfang war das alles demotivierend, denn wenn man im Jahr 2015 liest, dass man erst im Jahr 2018 fertig wird, dann erscheint das einfach unfassbar weit weg. Aber gerade hier liegt die unfassbare Stärke des HabitSystems: irgendwann denkt man nicht mehr darüber nach und man macht einfach täglich stur das vorgegebene Habit. Denn man wird fertig werden.

Was habe ich daraus gelernt?

Durch das Habit 50 Ideen habe ich im wesentlichen zwei Dinge gelernt.

Erstens: ich habe mein Allgemeinwissen – insbesondere in Themen, die mich bis dahin weniger interessiert haben – deutlich verbessern können. Ich habe nun ein rudimentäres Verständnis von verschiedenen architektonisches Stilen. Ich habe gelernt, dass Crick und Watson die Doppelhelix gefunden haben, wie Zellen funktionieren und welche Elemente in der Literaturwissenschaft eine Rolle spielen. Natürlich bin ich in keinem Gebiet ein Experte geworden. Dennoch hat mir die Lektüre geholfen, meinen Wissensstand in der Breite deutlich zu verbessern.

Zweitens: für mich ist das erfolgreiche Absolvieren dieses Habits ein Zeichen dafür, wie gut THS funktioniert. Es hilft ungemein, große Ziele in winzig-kleine Etappen zu zerlegen und diese dann Stück für Stück zu bewältigen. Die Römer nannten dies divide et impera – teile und herrsche. Und in mancherlei Kalender findet man ein Zitat vom großen Laozi, der folgendes gesagt haben soll:

Eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt

Wie wahr, wie wahr.

Wie kann man diese Gewohnheit generalisieren?

Ich habe das Habit 50 Ideen nun für mich beendet. Würde ich es weiterempfehlen? Ja und nein!

Ja, wenn Du auch Interesse daran hast, Dein Allgemeinwissen in den nächsten drei Jahren – parallel zu all den anderen Gewohnheiten und Projekten – zu verbessern.

Nein, wenn Du keine Lust hast, zum Teil schlecht geschriebene Bücher zu Themen, die Dich nicht interessieren, zu lesen. Tatsächlich nämlich sind die 21 Bücher von verschiedenen Autoren geschrieben. Und naturgemäß ist da die Qualität unterschiedlich. Manche Bücher, darunter Literatur, waren meiner Meinung nach gräßlich geschrieben.

Viel wichtiger aber als die Entscheidung, ob auch Du alle Bücher der Reihe 50 Ideenlesen sollst, ist, wie sich diese Gewohnheit generalisieren lässt. Es gibt bestimmt andere Bücher, Filme oder ähnliches, die sich analog zu meinem 50-Ideen-Habit auffahren lassen: Vielleicht eine lange Videoserie auf Youtube mit kurzen 5minütigen Videos? Oder eine Buchreihe? Oder ein Bikablo jeden Tag? Oder oder oder … Die wichtige Message ist hier, dass sich dieses Habit generalisieren lässt für andere, spannende Themen. Viel Erfolg damit!

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