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Meistere Deine Zwanziger: 8 Weisheiten für die wichtigste Dekade des Lebens

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Lesedauer: 18 Min

In unserer kollektiven Vorstellung bekämpfen Helden Hydras und Nemeische Löwen. Oder sie retten, einen Umhang tragend, mit Superkräften die Welt vor dem Untergang. In allen Fällen beschreiten sie dabei eine Heldenreise: Aus der ordinären Welt gerissen begeben sie sich auf eine Reise, die in heroischem Triumph – oder tragischem Niedergang endet. Die Idee des Helden gibt es seit der griechischen Antike – und mit der Heldenreise des amerikanischen Mythologie-Professors Joseph Campbell („Der Heros in tausend Gestalten“) wurde das Heldentum formalisiert.

Heldin oder Held zu werden ist nicht einigen wenigen vorbehalten! Jeder von uns kann zu einem Helden des Lebens werden; seine ganz persönliche Heldenreise bestreiten! Die wichtigste Voraussetzung hierfür sind die Zwanziger.

Die Dekade zwischen dem 20. und dem 30 Lebensjahr ist die wichtigste im Leben! In keiner anderen Dekade werden wichtigere Entscheidungen getroffen, wird mehr gelernt. Und anders als bei vorherigen Dekaden sitzt man nun (weitgehend) selbst im driver’s seat und kann sein Leben formen. Oder anders gesagt: In den Zwanzigern kannst Du die Voraussetzungen schaffen, um Deine persönliche Heldenreise zu beginnen, und Dir ein Fundament für das weitere Leben aufzubauen.

In Wahrheit ist es nämlich so: In den ersten beiden Dekaden des Lebens ist unser Lebensweg von äußeren Einflüssen bestimmt: Schule und Eltern zeichnen vor, welchen Weg wir gehen (sollen). Die Zwanziger stellen eine wichtige Zäsur dar – eine neue Zeitrechnung beginnt. Jetzt bist Du (!) für Dein weiteres Leben verantwortlich und kannst Deine ganz persönliche Heldenreise starten.

In diesem Artikel beschreibe ich, wie Du das meiste aus diesem wichtigsten Lebensjahrzehnt herausholen kannst. Dabei begibst Du Dich auf eine Heldenreise, bei der Du drei Protagonisten kennenlernen wirst. Doch bevor es dazu kommt, werfen wir noch einen Blick auf die Bedeutung der dritten Lebensdekade.

Warum sind die Zwanziger so wichtig?

When you grow up you tend to get told the world is the way it is and your life is just to live your life inside the world. Try not to bash into the walls too much. Try to have a nice family, have fun, save a little money. That’s a very limited life. Life can be much broader once you discover one simple fact: Everything around you that you call life was made up by people that were no smarter than you, and you can change it, you can influence it, you can build your own things that other people can use. Once you learn that, you’ll never be the same again.

Steve Jobs

In Deutschland machen die meisten Menschen im Alter zwischen 17 und 20 Jahren ihr Abitur (sofern sie nicht vorher mit einem anderen Bildungsabschluss die Schule bereits beendet haben). Danach beginnt die wichtigste Lebensdekade: die Zwanziger. Plötzlich ist der junge Mensch (viel mehr) auf sich allein gestellt. Mit dieser Freiheit kommen auch große Herausforderungen und eine immense Verantwortung. Jetzt sind es nämlich nicht mehr fast ausschließlich externe Einflussfaktoren, die den weiteren Lebensweg vorgeben.

Wenn Du als junger Mensch in Deutschland aufgewachsen bist, zwischen 18 und 29 Jahre alt bist, dann befindest Du Dich in der wichtigsten Periode Deines Lebens. Stell Dir diese Zeit wie eine Reise vor, bei der Du Dir Wissen, Gewohnheiten, Fähigkeiten und vieles mehr aneignest. Das Ergebnis dieser Reise ist – es mag zunächst wie ein Oxymoron klingen – das Fundament Deines späteren Lebens. Denn: alles, was Du in den Zwanzigern auf Deiner Heldenreise lernst, erlebst und Dir aufbaust, wird Dich Dein weiteres Leben lang begleiten. In den Zwanzigern werden die entscheidenen Kurs-Entscheidungen getroffen, die eine ungeheuer große Hebelwirkung auf den Rest des Lebens ausüben.

Begib Dich jetzt auf eine Reise, bei der Du drei Protagonisten triffst, die Dir wichtige Weisheiten für deine Zwanziger mit auf den Weg geben.

Der ewige Kreislauf

Wie sieht diese Reise aus? Stell es Dir wie einen Kreislauf vor, der aus drei Elementen besteht:

  1. Planen
  2. Machen
  3. Lernen

Und dann geht es wieder von vorne los. Stell Dir nun vor, dass jedes dieser Elemente von einem Protagonisten dargestellt werden:

  • Der Kapitän mit seiner Karte steht für das Planen.
  • Der Schmied mit seinem Hammer steht für das Machen.
  • Der Lehrling mit seinem Buch und seiner Tasche steht für das Lernen.

Diesen Kreislauf wirst Du im Großen und Kleinen tausendfach in Deinen Zwanzigern erleben. Schauen wir uns nun die einzelnen Elemente an.

Planen: Werde zum Kapitän Deiner Reise

Ein Schiff im Hafen ist sicher – doch dafür werden Schiffe nicht gebaut!

John Augustus Shedd

Karten studieren, Routen planen – das ist die Welt des Kapitäns. Die Augen tasten den Horizont ab. Der Wind bläst in die Segel. Stolzen Schrittes schreitet der Kapitän über sein Schiff. Er hat hier das Kommando, ist für den Kurs selbst verantwortlich. Der Erfolg der Expedition hängt von seinem Planungsgeschick ab. Er muss Wellen, Wind und Wetter vorhersehen. Dabei weiß er: Angesichts von Hindernissen ist der kürzeste Weg nicht immer der schnellste. Und: Pläne müssen flexibel bleiben – denn die Realität ist voller Ungewissheit! Er muss den Stürmen trotzen, Untiefen meistern – stoisch sein. Wenn er nicht an den Erfolg glaubt, wer tut es dann?

Stell Dir vor, Du beginnst nun mit Deiner persönlichen Heldenreise Deiner Zwanziger. Wo fängst Du an? Um das herauszufinden, triffst Du den Kapitän. Er ist schon alt und erfahren – er hat bereits die ein oder andere Expedition erfolgreich geplant. Was würde er Dir sagen?

Die letzten 20 Jahre (oder 18 oder 17, whatever) warst Du im Hafen der Heimat. Dort war der Weg vorgegeben durch Eltern, Schule. Für große Reisen in ferne Gefilde gab es wenig Zeit und Möglichkeiten. Doch jetzt gilt es, den Ozean der Möglichkeiten zu bereisen. Er ist voller Inseln mit Schätzen, aber auch voller Stürme, Eisberge und Untiefen.

Bedenke: In keiner anderen Dekade Deines Lebens wirst Du größere Pläne schmieden. Große Pläne und Visionen sind wichtig, aber DU musst auch wissen, wohin Du überhaupt möchtest. Du brauchst eine Karte der Realität. Als Erstes also ist es wichtig, die Planung Deiner Reise anzugehen. Dies sind die drei Weisheiten des Kapitäns.

1. Erschaffe Dir eine akkurate Karte der Realität und überlege Dir damit das Ziel Deiner Reise.

If one does not know to which port one is sailing, no wind is favorable.

Seneca

Sieh es so: Wenn Du eine Reise planst, brauchst Du eine Karte. Diese Karte bildet das Gebiet, das Du bereisen möchtest (und den Weg dorthin) zu einem gewissen Grad ab. Eine Karte aber ist immer nur ein Modell des Gebiets. Das bedeutet, dass Du Dir Klarheit darüber verschaffen musst, wie die Welt eigentlich aussieht. Sorge dafür, dass Deine Karte der Realität so nah wie möglich an der Realität ist.

Folgende Frage können Dir helfen:

  • Wer bin ich und wer will ich sein?
  • Sind meine Lebensziele mit meinem Studium/Beruf kompatibel?
  • Weiß ich eigentlich, was ich will (oder nicht will)?
  • Was müsste ich wissen, um eine Entscheidung treffen zu können?
  • Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?

2. Sei flexibel, passe Deine Karte der Realität an und justiere Deine Pläne.

Plans are useless—but planning is indispensable.

Dwight D. Eisenhower

Eine Planung kann nur so gut sein, wie die Karte, die Du zugrunde legst. Sei Dir dabei auch immer bewusst, dass die Karte fehlerhaft sein kann. Aber das muss kein Problem sein: Im 15. Jahrhundert benutzten die Seefahrer eine unvollständige Karte der Welt. Das hat dazu geführt, dass die europäischen Seefahrer um Kolumbus Amerika entdeckten (beziehungsweise wiederentdeckten).

Das heißt: Veränderungen auf Deiner Reise des Lebens sind ganz normal! Sie werden Deine Planung über den Haufen werfen und von Dir verlangen, flexibel zu sein. Stell Dir metaphorisch Eisberge, Seeungeheuer und dergleichen vor. Solche Herausforderungen und Hindernisse muss der Kapitän bei seiner Reise meistern. Dafür wird er den Plan ändern und anpassen. Wichtig ist also, dass Du Deine Pläne und Ziele nicht zu rigide siehst. Flexibilität hilft dabei, Pläne anzupassen. Denn, wie Eisenhower im obigen Zitat bereits ankündigt, Pläne sind am Ende oft nutzlos: Meistens kommt es vollkommen anders als geplant. Das bedeutet aber nicht, dass der Prozess des Planens nicht sinnvoll war. Denn nur wenn Du Dir eine Route überlegst (denke an Senecas Zitat) kannst Du überhaupt eine Richtung für Deine Reise vorgeben.

3. Werde zum modernen Stoiker und meistere alle Herausforderungen Deiner Reise.

Und eins noch: Hindernisse und Herausforderungen flexibel anzugehen, wird meistens nicht ausreichend sein. Es gibt in den Zwanzigern – wie auch allen anderen Lebensjahrzehnten – immer wieder Rückschläge. Es ist möglich, dass Du wie Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel strandest. Dann gilt es, ein moderner Stoiker zu werden. Stoizismus ist eine Lebensphilosophie, die Jahrtausende überdauert hat. Stoiker zu sein bedeutet, ein Fels in der Brandung zu werden. Zu akzeptieren, was man nicht verändern kann, und zu verändern, was man verändern kann. Es bedeutet, mit jeder Situation umgehen zu können. Es bedeutet, den Wellen trotzen zu können. Denk dabei immer an das folgende Zitat von Nietzsche:

He who has a why to live can bear almost any how.

Friedrich Nietzsche

Lies hier mehr darüber, wie Du zum Stoiker werden kannst.

Fazit des Kapitäns: Sorge in Deinen Zwanzigern dafür, Dir eine gute und präzise Karte der Realität anzueignen. Dann kannst Du den Ozean der Möglichkeiten bereisen. Wenn Deine Vision groß ist und mit Dir und Deiner Persönlichkeit im Einklang steht, dann kannst Du jeden Sturm meistern. Es warten Inseln voller Schätze auf Dich. Bleib dabei immer flexibel und justiere nach. Kein Plan wird je Eins-zu-eins in die Realität umgesetzt. Lass Dich von Rückschlägen nicht aufhalten indem Du Dir ein stoisches Mindset aneignest.

Machen: Werde zum Schmied Deines Schicksals

Nutze deine jungen Tage,

Lerne zeitig klüger sein!

Auf des Glückes großer Waage

Steht die Zunge selten ein.

Du mußt steigen oder sinken,

Du mußt herrschen und gewinnen

Oder dienen und verlieren,

Leiden oder triumphieren,

Amboss oder Hammer sein.

Johann Wolfgang von Goethe

Flammen lodern, Eisen klingt – das ist die Welt des Schmieds. Amboss und Hammer sind sein Werkzeug, Feuer sein Antrieb. Aus unförmigen Klotzen entsteht etwas Glanzvolles. Der Schmied schwingt den Hammer. Rhythmisch, kontinuierlich und mit einer Kombination aus Gewalt und Präzision wird das Eisen zwischen Hammer und Amboss geformt. Funken sprühen, doch der Schmied bleibt konzentriert. Schweiß rinnt ihm von der Stirn, tropft und verdampft auf heißem Metall. Es ist laut und heiß, die Luft glimmt. Dem Schmied ist das egal. Er arbeitet mit Fokus: Mit Kraft und Einsatz geht er seiner Arbeit nach. Tagaus, tagein. Jahre vergehen. Der Schmied arbeitet. Es ist seine Mission.

So wichtig ein Plan auch sein mag, so viel wichtiger ist es, den Plan auch umzusetzen. Wie viele Visionen und Träume leben als reine Gedanken und sehen nie das Licht des Tages? Am Ende zählt die Tat mehr als das Wort! Das ist dem Schmied bewusst, der Dir bei Deinem zweiten Schritt auf der Reise hilft.

Der Schmied ist viel pragmatischer als der Kapitän. Schließlich will er keine Inseln bereisen, sondern einfach nur das beste Schwert schmieden. Der Schmied weiß: Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Und in Deinen Zwanzigern ist das Eisen verdammt heiß. Welche Ratschläge wird der Schmied Dir auf Deine Reise mitgeben?

4. Eigne Dir wertvolle Fähigkeiten an und bau Dir einen Talent Stack und Career Capital auf.

I have several friends that are incredibly talented. They will start on projects but rarely follow through. They get bored or distracted or discouraged that it’s not „perfect“ and give up. Following through and finishing things is one of the most important things you can learn.

Ben Barry

Auch Du musst wie der Schmied hart und beständig arbeiten. Daran führt kein Weg vorbei. Der Hammer des Schmieds repräsentiert dabei Deine Fähigkeiten. In den Zwanzigern bist Du in der Lage, aus eigenem Antrieb heraus unfassbar viel zu lernen. Die Wissenschaft zeigt, dass die Lernfähigkeit und Änderungsmöglichkeiten des Gehirns, die Neuroplastitität im Laufe der Jahre abnimmt. In den Zwanzigern also zählt es umso mehr, dass Du Dir wichtige Fähigkeiten aufbaust.

In which I justify the importance of the craftsman mindset by arguing that the traits that make a great job great are rare and valuable, and therefore, if you want a great job, you need to build up rare and valuable skills—which I call career capital—to offer in return.

Cal Newport

Die besten Konzepte für Fähigkeiten, die ich kenne, sind die des Talent Stacks vom erfolgreichen Comic-Autor Scott Adams und die des Career Capitals von Cal Newport. Beide beschreiben im Wesentlichen die folgende Idee: Bau Dir ein Portfolio von sich ergänzenden Fähigkeiten auf, die Dich ausmachen, und die gesamtheitlich betrachtet mehr sind, als die Summe der Einzelfähigkeiten.

As I explained in my book, there are two ways to make yourself valuable. The first way is to become the best at some specific skill, the way Tiger Woods dominated golf. But not many of us can be Tiger Woods. So that path is unavailable to 99% of the world. I recommend a different approach. Most people can—with practice—develop a variety of skills that work well together. I call this idea the Talent Stack.

Scott Adams

Laut Scott Adams kann man durch die Kombination verschiedener Fähigkeiten einen Talent Stack aufbauen, der einem dabei hilft erfolgreich zu sein. Wie kann das konkret aussehen?

Er nimmt sich selbst als Beispiel:

  • Er ist ein überdurchschnittlicher Comedian, aber nicht Weltspitze;
  • er ist überdurchschnittlicher Comiczeichner, aber nicht Weltspitze;
  • er hat überdurchschnittliches Wissen über Unternehmern, aber ist hier nicht Weltspitze;
  • er kann überdurchschnittlich gut mit Technologien umgehen, ist aber, auch hier, weit entfernt davon, Weltspitze zu sein.

Die Kombination dieser Fähigkeiten schafft einen Talent Stack, der es ihm ermöglicht hat, einer der erfolgreichsten Comic-Autoren aller Zeiten zu werden (sein Net Worth beträgt etwa 75.000.000 USD). Man muss nicht zwangsläufig in einer Domäne Weltspitze sein; es geht auch mit der Kombination von mehreren Bereichen, in denen man „nur“ überdurchschnittlich ist. Die Kombination vieler wertvoller Fähigkeiten fügt sich wie ein Venn-Diagramm zu einem erfolgsversprechenden Gesamtbild zusammen.

Oder denke an Guila Enders. Sie kann überdurchschnittlich gut schreiben, hat medizinische Expertise und einen Sinn für Humor. Aus diesem ungewöhnlichen und seltenen Talent Stack ist mit „Darm mit Charme“ eines der erfolgreichsten populärwissenschaftlichen Sachbücher Deutschlands entstanden. Bau Dir also einen eigenen Talent Stack auf. Kombiniere dabei Fähigkeiten, die Dir das Studium vermittelt mit solchen, die Dich für den Arbeitsmarkt noch wertvoller machen. Die folgende Liste an Fähigkeiten soll nur eine Auswahl an Möglichkeiten darstellen:

  • Schreiben
  • Copy Writing
  • Videos schneiden
  • Fotografieren
  • Grafikdesign
  • Präsentieren
  • SEO-Kenntnisse
  • Online-Marketing

Versuche, sowohl beim Erlernen Deiner Fähigkeiten, als auch beim Machen selbst in einen Flow-Zustand zu kommen. Das ist der Zustand, der Dich während der Arbeit die Zeit vergessen lässt – so wirst Du richtig produktiv. Ich habe folgenden Artikel gefunden, der das Arbeiten im Flow gut beschreibt.

5. Nutze Systeme und Gewohnheiten um Dich persönlich zu entwicklen, effizienter zu sein und Deine Fähigkeiten zu verbessern.

We are what we repeatedly do. Excellence, then, is not an act, but a habit.

Aristoteles

Der Schmied ist nur deshalb ein hervorragender Schmied, weil er täglich (!) das Eisen bearbeitet. Sein Handeln ist also kein Event, sondern ein Prozess. Den „Erfolg über Nacht“, wie er gerne in den Medien dargestellt wird, gibt es nicht! Das erinnert mich immer an die Geschichte von der Frau, die Picasso in einem Restaurant ansprach. Sie bat ihn, etwas auf eine Serviette zu malen, und sagte, sie würde gerne zahlen, was immer er dafür haben wolle. Picasso kam der Aufforderung nach, malte für ein paar Sekunden etwas, und sagte dann: „Das macht dann 10.000 Dollar.“

„Aber das haben Sie in dreißig Sekunden gemalt“, erwiderte die erstaunte Frau.

„Nein“, sagte Picasso. „Ich habe vierzig Jahre gebraucht, um das zu schaffen.“

Die Zwanziger sind das Jahrzehnt, in dem Du Dir die wichtigsten Gewohnheiten für den Rest Deines Lebens aufbaust. Du wirst noch jahrzehntelang von diesen Gewohnheiten profitieren können.

Dasselbe gilt für Systeme, die Du in dieser Zeit aufbaust. Systeme sind externe Helfer in der Form von Software oder Tools, die als Hebel für Deine Gewohnheiten fungieren. Vergleiche das mit dem Feuer, das der Schmied benutzt. Eisen muss biegsam gemacht werden, um geschmiedet zu werden und Feuer hilft dabei. Externe Systeme wie Todo-Apps, Notiz-Apps und auch alle digitalen Trackingtools (für Work-outs, Kalorientracking, Fasten-Tracking) sind Systeme, die Deine Gewohnheiten erleichtern.

Ich nutze beispielsweise die folgenden Systeme und Habits:

  • HabitSystem: Meine Tabelle in Apple Numbers, mit der ich seit über fünf Jahren täglich meine Habits tracke. Dazu gehören tägliches Lesen, Schreiben, Spanisch lernen und Schreiben im Zehnfinger-System.
  • Lesetagebuch: Meine Tabelle in Apple Numbers, in der ich jedes Buch, das ich lese, festhalte. Ich sehe wie viel ich in welchem Monat gelesen habe, habe eine Übersicht über alle gelesenen Bücher und sogar einen Forecast, der mir zeigt, wie viel ich voraussichtlich noch lesen werde.
  • Lerntagebuch/Athenify: Im Studium habe ich jede Lerneinheit getrackt. So konnte ich meinen Lernprozess viel besser steuern und mich von einem Schnitt von 1,9 auf 1,0 (letztes Semester der Nutzung) steigern.
  • Investment-System: Ich tracke meine Finanzen seit 2014 mit MoneyMoney. So weiß ich, wie viel ich wann in welcher Kategorie ausgegeben habe und sehe, wie sich mein ETF-Portfolio entwickelt. Monatlich wird beim Gehaltseingang eine Summe automatisch investiert.
  • Erfolgstagebuch: Ich schreibe seit Januar 2016 jeden Tag in meinem Erfolgstagebuch. Dort halte ich wichtige Erlebnisse fest. Es hilft mir außerdem beim Reflektieren.

Wie Du siehst, stehen Gewohnheiten und Systeme in einem sehr engen Zusammenhang. Außerdem kannst (und solltest) Du es Dir zur Gewohnheit machen, Deine Fähigkeiten durch tägliches Training kontinuierlich zu verbessern. Denke dabei an die 10.000-Stundenregel und das Konzept von Deep Work und Flow.

Fazit des Schmieds: Bau Dir einen reichhaltigen Talent Stack auf. Investiere in Dein Career Capital: Deine Karriere gibt allen anderen Plänen einen finanziellen Rahmen und Career Capital hilft Dir, hier erfolgreich zu sein. Bau Dir außerdem Gewohnheiten und Systeme auf, um persönlich zu wachsen, Fähigkeiten zu erlernen und effizienter zu werden. Schmiede dieses Eisen, solange es in Deinen Zwanzigern heiß glüht!

Lernen: Werde zum Lehrling des Lebens

As long as I have a book in my hand, I don’t feel like I’m wasting time.

Charlie Munger

Verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält – das ist die große Leidenschaft des Lehrlings. Er ist voller Mut und Neugier, Wissensdurst und Tatendrang. Er will das Museum der Ikonen besuchen, um von den Großen zu lernen. Er weiß: Wir stehen auf den Schultern von Riesen. Der Lehrling ist aber kein Theoretiker; er will die Welt mit den eigenen Augen sehen, Herausforderungen angehen – eigene Erfahrungen erleben. Der Lehrling hat schon viele Schläge einstecken müssen und dabei gelernt, dass das Ego ein Hindernis sein kann. Es gibt so viel zu lernen – so wenig Zeit. Es gilt: Zeit nutzen, Wissen mehren, den Horizont erweitern.

Schließlich triffst Du den Lehrling. Er interagiert stets mit zwei Gegenständen: dem Buch und der Tasche der Erfahrungen. Das Buch repräsentiert dabei das Wissen der Welt und der Lehrling hat es aus der Bibliothek der Weisen. Kein anderer Gegenstand stellt die Ziele und Aufgaben des Lehrlings so akkurat und präzise dar, wie das Buch. Die Tasche repräsentiert den Erfahrungsschatz des Lehrlings. Erfahrungen können einerseits eine schwere Last sein, aber zugleich auch ein Schatz, aus dem wir Wissen für unser weiteres Leben schöpfen können. Und schließlich sind Erfahrungen eine der bedeutendsten Quellen aus denen wir lernen. Welche Ratschläge gibt Dir der Lehrling auf den Weg?

6. Verstehe Human Nature und die conditio humana, am wichtigsten aber: Mache eigene Erfahrungen.

Die Menschheitsgeschichte ist geprägt von Schönheit und Zerstörung. Lies die großen Werke der Literatur, um die conditio humana zu verstehen. Die Sentimentalität der großen russischen Autoren kann auch heute noch ganz einfach nachgefühlt werden.

Beschäftige Dich außerdem mit der Human Nature, den Eigenschaften, die uns Menschen ausmachen. Du kannst zum Beispiel das Persönlichkeitsmodell der Big Five lernen und verinnerlichen oder Dir den MBTI anschauen. Sie werden Dir dabei helfen, Menschen besser zu verstehen. Sie werden Dir auch dabei helfen, Dich selbst besser zu verstehen. Lernen bedeutet auch immer, sich selbst kennenzulernen – vergiss das nicht!

Beschäftige Dich auch mit dem Einfluss der Kultur auf Menschen, indem Du verschiedene Länder bereist und Dich auch abseits der touristischen Spots aufhältst. Reise allein, geh in Hostels, sprich Fremde auf der Straße an. Schau Dir auch die Hofstede-Dimensionen der verschiedenen Länder an, insbesondere, wenn Du im internationalen Kontext arbeitest und mit Kollegen aus anderen Ländern interagierst.

Sprich mit dem Taxifahrer, der Kassiererin und dem grimmigen Business-Reisenden im ICE. Telefoniere mit Deiner Oma. Kultiviere Kontakte proaktiv, triff Dich mit Menschen, die Du zu Freunden machen möchtest. Es spricht nichts dagegen Freunde aktiv zu gewinnen. Aber dafür musst Du offen auf andere zugehen und oft die ersten Treffen von Dir aus organisieren. Dafür musst Du Deine Komfortzone verlassen. Der Lohn aber ist es wert: Die Freundschaften, die Du während des Studiums aufbaust, können Dich oft bis an Dein Lebensende begleiten.

7. Besuche das Museum der Ikonen und lerne von den großen Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte und anderen Mentoren.

Neben dem Lernen aus eigenen Erfahrungen gibt es noch die Möglichkeit, von Mentoren und Vorbildern zu lernen. Mentoren können Freunde, Bekannte, Professoren oder erfolgreiche Geschäftsleute sein. Sie lassen den Lehrling an Ihrem Erfahrungsschatz teilhaben und stehen beratend zur Seite. Nutze ihre Expertise!

Choose an Heroic Ideal; but rather to emulate than to imitate. There are exemplars of greatness, living texts of honour. Let every one have before his mind the chief of his calling not so much to follow him as to spur himself on.
Baltasar Gracian

Neben Mentoren, mit denen Du direkten Kontakt hast, kannst Du mithilfe von Büchern aber auch mit den großen Ikonen der Menschheitsgeschichte in Kontakt treten. Du triffst sie im Museum der Ikonen. Die Ikonen sind die Jobs‘, Mungers und Berninis. Du triffst Dich mit Ihnen, indem Du ihre Biografien oder eigenen Werke liest. Sehe sie als Inspiration. Eine Biografie über Rockefeller zu lesen ist fast so, als würdest Du einem Monolog lauschen. Also nutze den Erfahrungsschatz der Ikonen! Zu meinen persönlichen Helden zählen unter anderem:

  • Steve Jobs, der größte Unternehmer aller Zeiten
  • Naval Ravikant, der Investor-Philosoph unserer Zeit
  • Nassim Taleb, der wichtigste Denker des 21. Jahrhunderts
  • Gian Lorenzo Bernini, der bedeutendste Bildhauer und Architekt des Barocks, der Erbauer Roms
  • Scott Adams, der einflussreichste Comiczeichner und Management-Denker
  • Hermann Simon, der bedeutendste Pricing-Berater Deutschlands und der Welt
  • Ferdinand von Schirach, einer der erfolgreichsten Kriminal-Autoren und Intellektuellen Deutschlands

Hier habe ich eine noch umfangreichere Liste meiner persönlichen Helden veröffentlicht.

Wer sind Deine Helden im Museum der Ikonen? Lies ihre Biografien und schau Dir ab, was Du für sinnvoll erachtest. Nutze die Tatsache, dass wir auf den Schultern von Riesen stehen.

8. Lies ganz viele Bücher.

Reading science, math, and philosophy one hour per day will likely put you at the upper echelon of human success within seven years.

Naval Ravikant

Neben persönlichen Erfahrungen, die Du unweigerlich machen wirst (und idealerweise durch Dein Handeln proaktiv gestalten wirst) stellt das tägliche (!) Lesen den wichtigsten Pfeiler für die persönliche Lernerfahrung dar. Es ist kein Zufall, dass sehr erfolgreiche Menschen (und damit meine ich nicht den Immobilienkönig von nebenan) wie Warren Buffett, Bill Gates oder auch einige DAX-CEOs sehr, sehr viel lesen. Wenn Milliardäre viel lesen, und lesen fast kostenlos ist, dann solltest Du es auch tun!

Wenn Du denkst, dass Du bereits viel liest, dann liegst Du wahrscheinlich falsch! Die wenigsten Menschen lesen mehr als 10 Bücher pro Jahr – und 10 Bücher pro Jahr sind nicht viel! 10 Bücher pro Jahr liest Du, wenn Du jeden Tag 10 Minuten liest (365 Seiten pro Buch bei 1 Minute/Seite). Will sagen: Wenn Du unter 10 Bücher pro Jahr liest, dann liest Du weniger als 10 Minuten pro Tag (und/oder sehr langsam und/oder sehr dicke Bücher). Das kannst und musst Du steigern! Vergiss auch alle Bücherzusammenfassungen wie Blinkist und entsprechende YouTube-Videos. Sie können Dir einen gewissen Eindruck der Kernthemen eines Buches vermitteln, gehen aber nie in die notwendige Tiefe! Das meiste Wissen in Büchern ist nicht neu oder innovativ. Aber Du musst Dich sehr intensiv mit Themen beschäftigen, damit Sie Dir ins Fleisch und Blut übergehen. Viele Themen verstehst Du erst wirklich, wenn Du sie in mehreren Büchern aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet siehst!

Lies Bücher aus sehr den unterschiedlichsten Bereichen: Geschichte, Biografien, Naturwissenschaften, Business, Persönlichkeitsentwicklung, große Romane, Fantasy-Epen, Bücher über Psychologie, Evolution und die Klassiker der Philosophie. Bücher geben Dir die Möglichkeit, die Domäne, die Dir Dein Studium aufoktroyiert, zu verlassen und ein breites Wissen anzueignen. Nutze die Zeit des Studiums, Dir ein Lese-Habit aufzubauen. Wenn Du es während des Studiums nicht tust, wirst Du es wahrscheinlich nie tun! Zwinge Dich am Anfang zu lesen. Es ist nicht leicht! Wenn Du es vorher nur selten getan hast, wird es am Anfang nicht einfach sein. Tracke Dein Lese-Habit, mach einen Deal mit einer Freundin, dass Du ihr 50 Euro geben musst, wenn Du Dein Leseziel nicht erreichst. Verlasse Dich nicht auf Deine Willenskraft, sondern nutze externe Systeme (Bedenke: externally enforced discipline, wie es sie in der Schule oder im Beruf gibt, sind einer der Grundpfeiler unserer Zivilisation).

Doch Vorsicht: Nimm Dir nicht zu viel vor. Fang an mit einer (!) Seite am Tag als Mindestziel. Das kannst Du auch betrunken in der S-Bahn nach der geilen Wohnheim-Party oder in der Klausurenphase erreichen. Und: in den meisten Fällen wirst Du mehr lesen. Das schwierige ist nämlich nicht das Lesen an sich, sondern dass „sich hinsetzten und mit dem Lesen anfangen“.

Fazit des Lehrlings: Verstehe die Menschheit und sammle Deine eigenen Erfahrungen. Sei offen und sauge Erfahrungen aller Art auf – wie ein Schwamm. Lerne von den Ikonen und such‘ Dir Mentoren. Und: lies so viel, wie möglich – die meisten Bücher sind weitaus spannender als die Pflichtlektüren der Schule und Uni. Bücher sind wie ein USB-Stick, der Wissen direkt in Dein Gehirn kopiert (es gibt keinen besseren Weg schlauer zu werden).

Deine eigene Heldenreise

Nach den Treffen mit Kapitän, Schmied und Lehrling bist Du nun um acht Weisheiten reicher. Nimm das Segel selbst in die Hand und beginne Deine ganz persönliche Heldenreise. Die Zwanziger sind dafür die beste Zeit. Nutze diese Zeit, sie gibt es nur einmal.

Das war mein erster Artikel zum Thema „Modernes Heldentum: Meistere Deine Zwanziger“. In zukünftigen Artikeln werde ich weitere Themengebiete angehen. Schreib mir gerne Dein Feedback zu diesem Artikel. Abonniere meinem Newsletter auf lukasvonhohnhorst.com, um auf dem Laufenden zu bleiben.

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