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Buchempfehlungen: Wie Du die besten und interessantesten Bücher findest

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In diesem Artikel zeige ich Dir, wie ich die für mich interessantesten Bücher finde. Vielleicht ist bei einer der vorgestellten Methoden ja eine Inspiration für Dich dabei!

In meinen letzten Artikel habe ich über die zwei Arten des Lesens geschrieben. Man kann fokussiert lesen, was bedeutet, dass man bekannte Genres und Autoren liest. Bücher dieser Art nenne ich Exploit-Bücher. Oder man experimentiert ein bisschen und liest breit, das heißt, Bücher, die eher unbekannt sind, von einem vollkommen neuen Autor stammen oder anderweitig nicht zu den typischen Büchern passen. Bücher dieser Art nenne ich Explore-Bücher.

Die entscheidende Frage, die man sich stellen könnte, lautet: Wie findet man nun die Bücher, die man lesen kann?

1. Nach Buchempfehlungen von Freunden fragen.

Insbesondere am Anfang meiner Lesereise (2015) habe ich vor allem Bücher gelesen, die mir Freunde und Bekannte empfohlen haben. Das hat den Vorteil, dass man die Quelle der Empfehlung zu einem gewissen Grad kennt. Leider haben direkte Empfehlungen auch einige Nachteile.

Fehlende Sample Size: Bücher zu lesen, die Freunden empfehlen, ist ein passiver Prozess. Woher wissen wir, dass unsere Bekannten und Freunde auch wirklich interessante Bücher lesen? Die meisten Menschen lesen wenig und sind daher nur begrenzt in der Lage, aus einem breiten Erfahrungsschatz zu wählen. Wer drei Bücher pro Jahr liest, hat eine kleinere sample size für mögliche Empfehlungen.

Ich habe das an mir selbst festgestellt. Die ersten Bücher, die ich gelesen habe, fand ich deutlich besser, als ich sie heute finden würde. Denn wenn man vorher nicht gelesen hat, sind viele Bücher eine Offenbarung!

Das ist – nebenbei bemerkt – meine persönliche Vermutung, wieso manche Bücher überhaupt populär werden konnten. Sie wurden schlichtweg als einzige Bücher gelesen und aufgrund fehlender Referenzwerte empfohlen. Bestes Beispiel: Rich Dad, Poor Dad – ein ziemlich durchschnittliches Personal-Finance-Buch von einem fragwürdigen Autor. Liest man es, ohne andere Personal-Finance-Bücher zu kennen, erscheint es, als habe der Autor die Weisheit mit Löffeln gefressen. Im Kontext (besserer) Genre-Nachbarn wie „Early Retirement Extreme“ oder „The Millionaire Fastlane“) erscheint es dann aber recht durchwachsen. Schau Dir hier meine Empfehlungen zu Personal-Finance-Büchern an.

Recency Bias. Ein zweites Problem ist der Recency Bias. Oft ist der Inhalt der kürzlich gelesenen Büchern am mental am präsentesten. Auch die Titel der kürzlich gelesenen Bücher sind – dem Availability Bias sei dank – eher präsent als Bücher, deren Lektüre weiter zurückreicht. Korrekt heißt dies, dass oft diejenigen Bücher empfohlen werden, die gerade gelesen worden sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um gute Bücher handelt ist nicht sehr hoch. Beim Fragen noch Empfehlungen sollte man also den Empfehlenden darauf hinweisen, dass man an den besten/passendsten Büchern interessiert ist, nicht an den kürzlich gelesenen.

Fehlende Relevanz. Aus meiner Sicht gibt es noch ein drittes Problem, das ich als fehlende Relevanz bezeichne. Oft werden Bücher im Verlaufe einer Diskussion empfohlen. Es wird beispielsweise über UI-Design diskutiert und der Diskussionspartner erinnert sich an ein passendes Buch und kommentiert es wie folgt: „Da kenne ich ein Buch zu, das kann man schon mal lesen“. Alleine die Formulierung macht deutlich, dass das Buch zwar zum diskutierten Thema passt, aber eher keine nachdrückliche Empfehlung ausgesprochen wird.

Deshalb frage ich immer: „Von allen Büchern, die Du kennst, würdest Du das besagte Buch in Deiner Top 3/Top5 sehen?“ Wenn das nicht der Fall ist, kann man das Buch getrost vergessen. Nur weil es zu einem diskutierten Thema (zufällig) passt, ist es noch keine Empfehlung wert! Viele Empfehlenden vergessen nämlich, dass es sehr viele tolle Bücher gibt. Die Schwelle, die ein Buch also überschreiten soll, muss sehr hoch sein. Nur weil es zu einem Thema passt, macht ein Buch noch nicht empfehlungswürdig.

Wie Du vielleicht aus dem Fokus auf die Nachteile erkennen kannst, bin ich kein Freund dieser Buchempfehlungsmethode. Achtung: Das heißt nicht, dass diese Methode grundsätzlich nicht sinnvoll ist – sie ist lediglich für mich nicht sinnvoll, aus oben genannten Gründen.

2. Weitere Bücher desselben Autors suchen.

Amazon zeigt mir alle Bücher eines Autors an
Amazon zeigt mir alle Bücher eines Autors an

Eine einfache aber zugleich recht effektive Methode, weitere interessante Bücher zu finden, ist weitere Bücher eines Autors/einer Autorin zu lesen, die man bereits gut findet. Das setzt natürlich voraus, dass man nicht bei Null anfangen darf. Aber zumindest nach 10 Büchern gibt es sicherlich ein Buch, dass einem so gut gefällt, dass man weitere Bücher des Autors lesen möchte.

Auf diese Weise habe ich beispielsweise alle Bücher von Nassim Taleb (Ex-Trader, schreibt Bücher über Finanzen, Risiko, Philosophie, Weltklugheit) gelesen. Auch bei

  • Ferdinand von Schirach (bekannter deutscher Strafverteidiger und Romancier),
  • Robert Greene (Autor von Büchern über Macht, menschliches Verhalten, Mastery),
  • Michel Houellebecq (französisches enfant terrible, Autor mehrer polarisierender Romane),
  • Hermann Simon (führender Management-Guru und Gründer einer Pricing Beratung, der Bücher über Pricing und Management geschrieben hat),
  • Rolf Dobelli (Schweizer Autor von Büchern über kognitive Verzerrungen),
  • Steven Pressfield (Romancier und Autor von Büchern, die dabei helfen, ein besserer Autor und Künstler zu werden),
  • Walter Isaacson (Auto von Biografien von da Vinci, Ben Franklin, Steve Jobs)
  • und Ron Chernow (Autor von Biografien von Rockefeller, Hamilton, J.P. Morgan, Grant)

habe ich diese Methode angewendet.

Ich schaue daher regelmäßig bei Amazon nach weiteren Büchern von Autoren, die mir gefallen. Sind Bücher bereits angekündigt, kann man sie bei Amazon vorbestellen. Aktuell freue ich mich auf das nächste Buch von Jordan Peterson und von Greg McKeown.

3. Bücher aus dem Quellenverzeichnis lesen.

Eine weitere einfache Möglichkeit, interessante Bücher zu finden ist die Lektüre des Quellenverzeichnisses. Durch das Buch „How To Read a Book“ habe ich gelernt, vor der Lektüre eines Buches das Buch selbst zu studieren. Dabei stelle ich mir Fragen wie:

  • Wie sieht der Einband aus? Wie ist die Aufmachung?
  • Welche Erwartungen habe ich an den Titel?
  • Was steht auf dem Klappentext?
  • Wer ist der Autor? Welche anderen Werke hat er geschrieben?
  • Wie sieht das Inhaltsverzeichnis aus? Wie ist es gegliedert?
  • Welche Gedanken kommen mir in den Sinn, wenn ich das Inhaltsverzeichnis anschaue?
  • Was fällt mir ins Auge, wenn ich das Buch durchblättert?
  • Wie erscheint die Sprache?
  • Gibt es ein Quellenverzeichnis?
  • Kenne ich Bücher/Werke aus dem Quellenverzeichnis? Wenn ja, woran erinnere ich mich?
  • Gibt es ein Stichwortverzeichnis?
  • Kenne ich die Begriffe aus dem Stichwortverzeichnis?

Eine dieser Fragen (ich habe sie fett hervorgehoben) bezieht sich auf das Quellenverzeichnis. Und genau dort suche ich nach interessanten Büchern. Meistens gebe ich den Titel bei Amazon ein und lese dann flüchtig die ersten Rezensionen. Außerdem google ich den Autor um herauszufinden, ob er eine respektable Person ist. Ich will nur Bücher lesen, die von Menschen geschrieben wurden, die das behandelte Thema auch beherrschen.

4. Dem Amazon-Algorithmus vertrauen.

Der Amazon-Algorithmus schlägt interessante Büher vor
Der Amazon-Algorithmus schlägt interessante Büher vor

Ich gebe es zu: Ich bin ein Fan von Amazon. Ich kaufe sämtliche Bücher, bis auf wenige Ausnahmen, auf Amazon. Auf Amazon führe ich auch meine Wunschliste, die fast ausschließlich aus Büchern besteht. Durch meine Wunschliste, mein Browsing-Verhalten und nicht zuletzt meine Bestellungen wird der Amazon-Algorithmus kräftig gefüttert. Viele Bücher habe ich gekauft, weil Amazon sie mir so nett präsentiert hat.

Es dauert seine Zeit, bis der Amazon-Algorithmus die Vorlieben kennt. Aber mittlerweile bin ich mit den Empfehlungen sehr zufrieden. Natürlich kaufe ich nicht alle Bücher, die vorgeschlagen werden, direkt. Bei allen Büchern lese ich vorher die Rezensionen. Dabei lese ich gerne die 5-Sterne-Bewertungen und diejenigen, die nur einen Stern vergeben. Dabei ist mir auch wichtig, dass die Rezension ansprechend geschrieben ist. Rezensionen ohne Absätze oder mit schlechter Sprache interessieren mich nicht. Ich schaue mir auch die anderen Artikel des Rezensenten an. Denn nur so kann ich ungefähr einordnen, was für ein Mensch der Rezensent ist. Gefällt mir ein Buch, dann google ich meist den Autor, schaue bei YouTube, was andere über das Buch sagen. Ich benutze auch oft die Funktion, die es erlaubt, einen „Blick“ ins Buch zu werfen.

Gefällt mir ein Buch, setzte ich es auf meine Wunschliste. Überzeugt es mich direkt (und die anderen Bücher in meiner Lese-Pipeline sind gerade nicht so spannend) dann kaufe ich viele Bücher direkt.

Grundsätzlich bin ich ein Fan des Amazon-Algorithmus. Das Browsen nach Büchern macht richtig Freunde und es stellt eine schöne „Explore“-Erfahrung dar. Manchmal hält mich das viele Browsen und Suchen nach neuen Büchern auch vom eigentlichen Lesen ab …

5. Bücherseiten wie Goodreads nutzen.

Auch Goodreads gibt Vorschläge
Auch Goodreads gibt Vorschläge

Vor einiger Zeit hat Amazon Goodreads gekauft. Bei Goodreads handelt es sich um eine recht große Community bzw. Plattform, in der fast alle Bücher abgebildet sind und die von den Teilnehmern dort bewertet werden. Goodreads hat eine sehr unterdurchschnittliche UI und UX, aber es ist die größte mir bekannte Buch-Plattform.

Auf Goodreads gibt es, ähnlich wie bei Amazon, einen Algorithmus, der einem Bücher empfiehlt. Viel wichtiger aber sind die Rezensionen, die auf Goodreads verfügbar sind. Anders als auf Amazon gibt es hier sehr viele sehr ausführliche Rezensionen und diese fallen auch weit kritischer aus. Außerdem gibt es, auch anders als auf Amazon, zu Rezensionen auch Diskussionen. Das ist ein Feature, das mir besonders gefällt, denn so wird eine Rezension erst richtig lebendig.

Insgesamt nutze ich Goodreads recht gerne. Mittlerweile bin ich dort auch mit ein paar Freunden vernetzt und es ist so ein bisschen zu einem Facebook für Bücher geworden.

6. Sammlungen und Empfehlungswebseiten konsultieren.

Derek Sivers hat tolle Buch-Vorschläge
Derek Sivers hat tolle Buch-Vorschläge

Es gibt Personen, von denen ich weiß, dass sie einen hervorragenden Geschmack haben. Und diese Personen stellen ihre Buchempfehlungen sogar online. Ich nutze folgende Quellen in der Reihenfolge der Relevanz.

Derek Sivers. Derek Sivers ist erfolgreicher Unternehmer und Autor und einer meiner Helden. Seine Buchempfehlungen zählen zu meinen Lieblingsseiten und ich habe sicherlich an die 50 Bücher basierend auf dieser Liste gelesen.

Nat Eliason. Nat Eliason ist ein Digital Entrepreneur. Auch seine Buchempfehlungen sind gut.

Farnam Street. Farnam Street ist die englischsprachige Seite zu mentalen Modellen. Wer über mentale Modelle schreibt, der liest natürlich auch viel und deshalb gibt es auch auf Farnam Street eine jährlich erscheinende Liste an Buchempfehlungen.

Natürlich versuche auch ich meine Empfehlungen zu teilen. Dafür habe ich auf meiner Weltklugheit-Webseite eine Liste mit den besten Büchern verschiedener Themen erstellt:

Fazit

Wie bei vielen Themen gilt: Viele Wege führen nach Rom. Es gibt unzählige Bücher und ebenso viele Möglichkeiten, diese zu entdecken. Ich persönlich habe anfangs viele persönliche Erfahrungen genutzt und nutze mittlerweile besonders die anderen angesprochenen Möglichkeiten.

Allerdings: Aktuell habe ich vielmehr das Problem, dass sich zu viele Bücher auf meiner Liste befinden. Das gilt sowohl für die Amazon-Wunschliste als auch für die Bücher, die ich bereits physisch in meiner Bibliothek stehen habe, aber bisher noch nicht lesen konnte.Nichtsdestotrotz macht es natürlich Spaß, nach neuen Büchern zu suchen. Denn, wie bereits in „Explore & Exploit bei Büchern: Die zwei Arten des Lesens“ beschrieben, ist das Erforschen (Explore) neuer Bücher eine sehr gewinnträchtige Angelegenheit, die den Horizont erweitert. In diesem Sinne: Sei stets auf der Suche nach weiteren Büchern, Du weißt nie, wo Du dein nächstes Lieblingsbuch finden könntest!

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