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Skin in the Game: Werde zum Kämpfer in der Arena (Mehr Accountability)

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Theodore Roosevelt gilt (berechtigterweise) als einer der größten US-Präsidenten aller Zeiten. Im Olymp der Führungspersönlichkeiten nimmt er zweifelsohne einen Platz ganz vorne ein. Nach seiner Präsidentschaft (in der er den Friedensnobelpreis erhielt, den Panama-Kanal erbauen ließ, und die Nationalparks erschuf) tourte er durch Europa und hielt Reden. Seine wohl bekannteste Rede ist der als »Citizenship in a Republic« bezeichnete Vortrag an der renommierten Sorbonne-Universität Paris.

In dieser Rede findet sich eine Passage, die vor Sprachgewalt und Ausdruckskraft nur so strotzt:

It is not the critic who counts; not the man who points out how the strong man stumbles, or where the doer of deeds could have done them better. The credit belongs to the man who is actually in the arena, whose face is marred by dust and sweat and blood; who strives valiantly; who errs, who comes short again and again, because there is no effort without error and shortcoming; but who does actually strive to do the deeds; who knows great enthusiasms, the great devotions; who spends himself in a worthy cause; who at the best knows in the end the triumph of high achievement, and who at the worst, if he fails, at least fails while daring greatly, so that his place shall never be with those cold and timid souls who neither know victory nor defeat. —Theodore Roosevelt, Citizenship in a Republic

Um den Inhalt dieser Passage geht es in diesem Artikel. Roosevelt bezeichnet es als The Man in the Arena. Nassim Taleb und Warren Buffett nennen es Skin in the Game. Naval Ravikant nennt es Accountability, Jocko Willink Extreme Ownership.

Schauen wir uns zunächst die einzelnen Konzepte an, bevor wir daraus Lehren kristallisieren.

1. The Man in the Arena

Roosevelt beschreibt den aktiven Kämpfer in der Arena, nicht den passiven Zuschauer. Der aktive Kämpfer ist es, der gewinnen und verlieren kann. Der Zuschauer hingegen kennt weder Sieg noch Niederlage. Die Person, der wir Respekt zollen sollen, ist der Kämpfer, der wagemutig und tollkühn die Arena betritt.

Auch die große Autorin J.K. Rowling schlägt in eine ähnliche Kerbe:

It is impossible to live without failing at something, unless you live so cautiously that you might as well not have lived at all – in which case, you fail by default —J.K. Rowling

Der erste Schritt ist es also, den Fuß in die Arena zu setzten, zu kämpfen, wo andere nur zuschauen. Wer nicht spielt, kann nicht verlieren – gewinnen aber noch weniger.

2. Skin in the Game

In seinem großartigen Buch »Skin in the Game« (5. und letzter Teil des Incerto) fordert Taleb, dass Entscheidungsträger (CEOs etc.) nicht nur von der Upside ihrer Entscheidungen profitieren, sondern auch von der Downside getroffen werden:

Actually, you cannot separate anything from contact with the ground. And the contact with the real world is done via skin in the game—having an exposure to the real world, and paying a price for its consequences, good or bad.—Nassim Taleb, Skin in the Game: The Hidden Asymmetries in Daily Life

Bei vielen Systemen heutzutage gibt es eine ungünstige Asymmetrie:

Bureaucracy is a construction by which a person is conveniently separated from the consequences of his or her actions —Nassim Taleb, Skin in the Game: The Hidden Asymmetries in Daily Life

Das ist das Gegenteil von Mut. Besser:

Prominent people took risks—considerably more risks than ordinary citizens. The Roman emperor Julian the Apostate, about whom much later, died on the battlefield fighting in the never-ending war on the Persian frontier—while emperor. One may only speculate about Julius Caesar, Alexander, and Napoleon, owing to the usual legend-building by historians, but here the proof is stark. —Nassim Taleb, Skin in the Game: The Hidden Asymmetries in Daily Life

Wolfgang Grupp, der Geschäftsführer von Trigema, ist ein Beispiel für einen mutigen Unternehmer mit Skin in the Game. Sein Unternehmen führt er nicht als GmbH (also als separate juristische Person), sondern als Einzelunternehmen (eingetragener Kaufmann). Das ist deutlich riskanter als eine GmbH. Als redlicher Kaufmann aber auch ungleich mutiger. Grupp zeigt: Ich hafte mit meinem Privatvermögen für die Aktivitäten meines Unternehmens – »Ich habe Skin in the Game«.

Die Lehre lautet demnach: Seit mutig, entwickle Skin in the Game:

Courage is the only virtue you cannot fake. —Nassim Taleb, Skin in the Game: The Hidden Asymmetries in Daily Life

3. Accountability

Ein ähnliches Konzept von Talebs Skin in the Game hat der große „Start-up“-Philosoph Naval Ravikant geprägt. Er spricht von accountability – also von Verantwortung.

Wie Taleb referenziert auch Naval auf die Vergangenheit. Heute aber (im Wirtschaftskontext) ist das Risiko deutlich begrenzter:

In the old days, the captain was expected to go down with the ship. If the ship was sinking, then literally the last person to get off was the captain. Accountability does come with real risks, but we’re talking about a business context. —Naval Ravikant, The Almanack of Naval Ravikant: A Guide to Wealth and Happiness

Naval rät dazu, Verantwortung zu übernehmen und Geschäfte unter eigenen Namen zu machen:

Embrace accountability and take business risks under your own name. Society will reward you with responsibility, equity, and leverage. —Naval Ravikant, The Almanack of Naval Ravikant: A Guide to Wealth and Happiness

Das, so Ravikant, verleiht einem Macht:

The people who have the ability to fail in public under their own names actually gain a lot of power. —Naval Ravikant, The Almanack of Naval Ravikant: A Guide to Wealth and Happiness

Denn neben dem Risiko, das man eingeht, ist man auch in der Lage, von der upside zu profitieren:

But when you put your name out there, you take a risk with certain things. You also get to reap the rewards. You get the benefits. —Naval Ravikant, The Almanack of Naval Ravikant: A Guide to Wealth and Happiness

Hier gibt es Accounability von Ravikant in Form eines (sehr guten) Musikstücks des großartigen Akira The Don:

4. Extreme Ownership

Und dann gibt es da noch Jocko Willink, ein ehemaliger Navy-SEAL und Autor (er ist bekannt dafür, jeden Tag sehr früh aufzustehen und dann von seiner Uhr ein Schwarz-Weiß-Bild auf Instagram zu veröffentlichen).

Seine Version von Skin in the Game heißt Extreme Ownership (wie sein gleichnamiges Buch):

Extreme Ownership. Leaders must own everything in their world. There is no one else to blame.—Jock Willink, Extreme Ownership: How U.S. Navy SEALs Lead and Win

Und:

Discipline equals freedom.—Jock Willink, Extreme Ownership: How U.S. Navy SEALs Lead and Win

Auch Jocko hat der gute Akira ein Musik-Album spendiert:

Fazit

Egal, wie Du es nennen magst – Skin in the Game, Verantwortung, Extreme Ownership – es zahlt sich aus, als mutiger Kämpfer die Arena zu betreten; das Schicksal am Schopfe zu packen. Der Sieg ist dann natürlich nicht gewiss, aber doch wahrscheinlicher. Und auch: Die Niederlage muss man (als Stoiker) mit Fassung tragen – und voll dafür einstehen.

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